back 2 "enlightenment" (II)

13. Zurück zur Unschuld

Wenn es nicht so leicht wäre, wären wir längst angekommen. Was heißt das?
Eltern, Schule und Gesellschaft haben uns mit Werten vollgestopft, die Du zum Leben brauchst. Ein Teil davon ist wertvoll wie Ehrlichkeit, Ausdauer, Achtung, der größere Teil macht Dich kaputt: Vaterlandsliebe, Glaube, Ehe, ganz pervers das Zölibat.

Werden wie die Kinder, ohne kindisch zu werden, ist Teil der Suche. Doch wie waren wir als Kind?

Jeder weiß es, jeder erinnert sich. Doch die Spiele der "Großen" haben uns in den Bann gezogen. Für Spielzeug verkaufen wir uns, unsere Suche.

Entspanntes Glück und Behaglichkeit, wie wir in glücklichen Kinderstunden gekannt haben, verschafft uns kein Spiel mehr. Das kitzelt oberflächlich. Danach willst Du mehr. Wie Junkies auf Trip taumeln wir durch Konsum-, Fress- und Sauforgien, wie unter Heroin, legal, illegal, scheißegal.

Einzig Wahrheit, Erkenntnis, Samadhi bieten Glück, das bleibt.

Kurz in Satori vorübergehend nur Samadhi-Seligkeit erleben zu dürfen, zeigt Dir: alles Andere als billigen Ersatz.

Die Samadhi-Erfahrung entzaubert Warenwelt, Werbung, Politik. Die Liste ließ sich beliebig längen. Doch wie bekommst Du Samadhi?

Samadhi erfährst Du in tiefer Entspannung. Glück braucht Geborgenheit. Geborgen bist Du nur in Dir selbst. Samadhi lässt sich nicht erzwingen. Du kannst Dich darauf vorbereiten - vielleicht.

Du lässt Dich einfach in Dich selbst fallen. In das, was, wie und wo Du bist.
Wenn Du es haben willst, hast Du es schon verloren. Wenn Du behaglich und still Deinen Gedanken zusiehst, kann das Samadhi-Geschenk Dich erreichen. Du hast es immer bei Dir, Du hattest es alle Zeiten. Du willst es nur nicht annehmen. Um Lachen, Weinen, Reden, Dinge dreht sich Deine Welt.
Auf Deiner Suche nach Unschuld kommst Du in ein Zauberreich.
Du eroberst wie ein Kind Schritt für Schritt eine neue Welt - jeden Tag neu.
Im kleinen Satsang mit Tyohar, der sich dem großen auf dem Dach in seinem Haus anschließt, stelle ich aufgeregt meine Frage. Ich schnappe nach Luft, überschläge mich fast:

"Wie kann ich den Ashramiten diesmal besser helfen, dass das Experiment nicht so faschistisch und kriminell endet wie in Rashneespuram?" 

Swami Tyohar entwirrt die Frage:
"Dass Osho Fehler gemacht hat, bleibt wie eine Wunde für viele Sannyasins. Doch seine Fehler machen ihn einfach noch menschlicher. Sonst würde er jetzt wie ein Gott verehrt, was er sicher nicht wollte. Ohnehin hat er mehr gegeben, als jeder andere Mensch bisher auf der Erde.

Rajneeshpuram war nur eine kurze Zeit in seinem Leben, vier Jahre nur. Wäre es erfolgreich geblieben, ständen wir Menschen jetzt vielleicht besser dar. Doch die Existenz macht ihr eigenes Spiel.
Ich werde aus seinen Fehlern lernen. Dazu sind Fehler da. Ich kenne mein Temperamt. Ich bin dankbar dafür, dass Osho diese Fehler uns gezeigt hat, damit wir sie in Zukunft vermeiden können."

Ein Swami, der sich im letzten Ranchjahr dort bis zum Abbruch arrangieren konnte, regt sich auf, wie zu erwarten war: "Mir tut es weh, von Oshos Fehlern zu hören.
Ich wusste, wie Sheela reagiert. Also habe ich mich damit nicht angelegt. Ich war da wegen dem wunderbaren Mann. Von ihm, von Osho, habe ich ungeheuer viel gewonnen und gelernt. Überhaupt wissen wir ja bis heute nicht, was wirklich geschehen ist. Wir können bis heute ja nicht den Plan dahinter verstehen."

Wir sollten Swami Amrito fragen, ob er wirklich wähend des Masterday 1985 ein Giftattentat in der Buddha-Halle überlebt hat.

Jeder hört wieder das, was er will, was ihm passt. Nur unschuldige Ohren hören Zwischentöne. Unschuldige Augen erspähen das Ego-Spiel hinter den Masken, Masken von Macht- oder Sexgier, von Selbstbetrug, von Besänftigung, von jeder denkbaren Sinnesverwirrung.

Wer Unschuld zu betrügen versucht, betrügt die Existenz. Deren Antwort wird die Dinge richtig rücken. Naturgesetze brechen unsere Gedanken, unsere Sätze, unsere Gesetze. Die letzte Wahrheit spricht die Natur.

Deine Natur ist Deine Unschuld, Deine Offenheit, Verletzlichkeit, Dein klarer Spiegel.

Tyohar-Satsang Stuhl auf dem Dach seines Hauses

Die rothaarige Schönheit Lilith hörte Tyohar auf dem Dach im Schoße eines blonden Jünglings liegend. Sie bleibt in der Tanzgruppe. Dir bleibt Deine Zeit zur freien Verfügung.

Tyohars Abendlecture entschlüsselt, warum mich die Existenz mit Freiheit statt Tanz-Arbeit beglückt:

"Wir wollen den Unterschied zwischen Perfektionalität und Totalität betrachten. Die Tänzer im Darshan sind perfekt aber nicht total, nicht spontan. Totalität braucht Aufmerksamkeit, Selbstbeobachtung. Dann kannst Du mit voller Kraft handeln, eben total. Perfektion hingegen ist Drill, Übung und letztlich tot."
Du darfst also nicht mittanzen und tröstest Dich weiter mit dem Spruch, der viele Mützen und Hemden auf der Ranch zierte: "Nothing fails
like succes" Ein Kindersatz vernichtet die Spiele des Egos: 

"Nichts verfehlt mehr als Erfolg."
Oder:
"Macht besticht. Absolute Macht besticht absolut."

Bhagwan gab seiner getreuen, hübschen, indischen Ma Anand Sheela den undankbaren Job, uns das zu beweisen. Dafür sollten wir sie lieben, ohne etwas von ihrem Machtmissbrauch zu verdrängen, zu vergessen oder gar zu beschönigen.

Ganz als Dame in weiß stieg auch Bruna vom Chiemsee Tyohar auf's Dach. Bruna will nicht mehr Ma Jivan Prahlada, Joy of Life, heißen. Da sie in den Ashram zurück wollte, feiere ich den ersten Jahrestag im Prems. Ich feiere spät, weil die überfüllten Plätze erst gegen 22.00 Uhr frei werden.

Doch ich feiere nicht allein. Ein Doktor der Philosophie setzt sich zu mir. Ihr erzählt Euch von Land und Leuten. Er hat noch anderthalb Stunden mit Osho im Darshan plaudern können.

Jetzt arbeitet er für die Weltbank am Waldschadens-Bericht 1996, den er in ein paar Tagen abgeben muss.

Delhi, berichtet er, liegt seit Tagen ohne Strom in unvorstellbar dichtem Nebel. Die Temperatur liegt bei nur zwei, drei Grad. Seit 45 Jahren kennt er Delhi. Die sich ständig steigernde Kälte, den zunehmenden Nebel, die schwindenden Wälder und versiechenden Flüsse deutet er als alarmierende Naturereignisse,

Aus München telefoniert mir die Freundin Ma Veet Mimansa minus 20 Grad und einfrierende Wasserleitungen im Haus. Sie hat ihren Namen schon verwirklich: "Beyond Analysis".

Du genießt eine neue Faulheit, zu der Du bisher noch nie fähig warst. Die große Ashram-Schule schwänzt Du lieber. Die meisten Sätze verstehst Du sowie nicht, weniger als das Hindi-Gemurmel auf der Straße, im Lokal:

"Oh, Du hast eine wunderbare Energie! Wahrscheinlich bekommst Du viel Energie von den Frauen im Moment."

Europäer auf teurer Sinnsuche verwirren Dich nur. Du fährst lieber mit dem Rad, langsam und staunend.

Kein Schwimming-Pool, keine Samadhi-Meditation, nichts im Ashram reizt Dich mehr nach der unglaublichen Morgen-Llecture:

"Ein Ashram ohne Meister stirbt. Alles hängt vom Meister ab. Ohne ihn, wird er zum Kloster."

Wie hast Du Tyohar gestern lästern hören?
"Der Stuhl in der Buddha-Halle ist leer. Nur die Geruchskontrolle ist geblieben."

Die Dusche macht Spaß. Es ist schon so warm, dass Du Dich in der Luft trocknen kannst. Du brauchst kein Handtuch. Du wischt die Fliesen im Bad, wischt Dein Zimmer. Das ist Dein Ashram. Dort vervollkommnest Du Deine Meisterschaft, sattes, unverschämt faules Urlaubsglück mit großen Kinderaugen zu entdecken.

Unbeschreiblicher Spaß: Wasser-Plantschen über die Fliesen, Indien beim Wischen riechen, seinen Staub schmecken, Raben vor dem Fenster, sehnsüchtige Musik. Arbeiter hauen vor dem Fenster die Straße auf. Sie verlegen ein Rohr in knapp drei Tagen - fast lautlos.

Gegen Mittag bewegst Du Dich einmal neugierig hinaus, um neue, unglaubliche Abenteuer zu bestehen. Du trinkst Deine tägliche Kokos-Nuss. Der Straßenhändler haut der kopfgroßen Frucht mit geschickten Macheten-Schlägen das Oberteil ab, bis ein etwa Münzgroßes Loch entsteht. Du ziehst einen Strohhalm aus seiner Packung und schlürfst den Saft bis zum Ende.

Heute hat er den Deckel an einem Faden hängend auf der Nuss gelassen. Du kostest das weiße Fruchtfleisch davon, köstlich. Mit dem Finger holst Du aus der Öffnung mehr von der Frucht. Der Händler nimmt Dir grinsend die Nuss ab. Zwei Schläge trennen sie in Hälften. Aus dem abgeschlagenen Kopfteil schnitzt er einen löffelartigen Schaber. Damit kannst Du Deine Nuss bis auf die letzte Faser auskratzen.

Dankbar für die Lektion zahlst Du 10 Rupees, zwei davon Trinkgeld.

Nach langem Mittagschlaf stärkst Du Dich im Straßencafe von der Anstrengung. Du könntest dort stundenlang sitzen. Ma Fulwarei tippelt zum dritten Mal an Dir vorbei. Du träumst mal wieder von Deinen unterdrückten oder schriftlich verarbeiteten Begierden.

Vom Nebentisch spricht Dich ein graubärtiger Inder an:
"Du fliegst in Deiner Fantasie."
Du antwortest nach langer Pause.
"Stimmt".
Nach ebenso langer Pause er wieder:
"Entschuldige, daß ich mit meinen Worten Deinen Flug störe."
"Deine Worte sind Teil meines Fluges",
antwortest Du nun schon direkt. Er setzt sich zu Dir und Du hörst wieder eine dieser Geschichten von 1001-Nacht: 

"Du bist aus Deutschland? Aus München?"
"Gut geschätzt."
"Ich bin Professor für Pychologie. Ich fliege zwischen Canada und Europa hin und her. Habe in Canada gearbeitet. Osho 1982 auf der Ranch besucht. Er meinte, ich soll dableiben, als Inder den Leuten helfen. Ich sagte, daß ich in meinem Job den Leuten helfe. Er gab mir den Ring hier."

Zahn-Klinik (Lucknow 1993)

Stolz zeigt er Dir den Ring mit den sich folgenden Vögeln. Du zahlst ihm endlich seinen Tee - voll von Stories, Anekdoten, Witzen und seinen Berührungen. "Oh, es wäre schön, wenn ich noch einen Chai trinken könnte."
Schon gehend zahlst Du ihm seinen zweiten Tee.

14. "www.osho.org"