Tikro-Treffen

Datum Kilometer Liter
26.04. 32759  32,13
28.04. 33385  82,89
29.04. 33800  46,20
02.05. 34413  82,12
Durchschnitt 14,7 l /100 km 1654 243,34

Neue 80Ah-Gelbatterie Oxide Freitag 29.04 in Gedern von accu-24.de 205,00 Euro.


Link zum Tikro-Blog


Klaus und Gisi mit ihrem Australien-Blog


 
   

Klaus, mit seinem Australien-Blog


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Lange Reihe Tikro an der Fulda - soweit das Auge reicht
Gefühle, Stimmungen, Eindrücke lassen sich beschreiben. Kreativität ist beglückend, gleichgültig was man macht. Es ist besser, zu schreiben, zu musizieren oder zu malen. Es ist schlechter, wenig oder nichts zu fühlen. Niemand kann allerdings nur Angenehmes fühlen wollen. Wer sich von unangenehmen Gefühlen abschneiden will, den schneidet das Leben – irgendwann, irgendwie. Schmerz, Krankheit, Armut, Leid und Tod sind Teil der Gefühle. Jeder kennt jemanden, den es gerade getroffen hat, den es gerade trifft. Niemand soll sich sicher sein. Die Erde schwankt nicht nur in Japan unter unseren Füßen.

von Erhard Thomas auch "n0by"

Die deutsche Wunder- und Warenwelt teilt sich spürbar in Bereiche von leidvoller Produktion und lustvollem Verbrauch. Im Theater des Lebens spielen verschiedene Darsteller zur gleichen Zeit am gleichen Ort die Polarität von Lust und Leid. Niemand, der augenblicklich auf einer Wolke von Lust schwebt, kann dauerhaft sich so fühlen. Im nächsten Augenblick schlägt das Schicksal um, der Mensch leidet.


Freitag 29.04: Erster Unfall auf der BAB bei Bad Hersfeld:
bald zwei Stunden Stillstand

Tikro-Treffen 2011: Tikro, teure Wohnmobile der „teil-integrierten-robusten“ Mittelklasse im Luxussegment der Reisemobile treffen sich auf der idyllisch romantischen Tanzwerder-Insel in Hannoversch Münden. Dies Insel umfließt die Fulda, welche etwa hundert Meter weiter sich mit der Werra zur Weser vereinigt.

Die Piloten der teuren Tikros enthüllen bereitwillig die Preziosen ihrer fahrbaren Schatzkisten. Einige versorgen sich wie mit der Efoy-Brennstoffzellen für etwa 3000 Euro mit Strom für das Licht der 12-Volt Halogen-Strahler sowie des Heizventilators der Gasheizung. Aufstellbare Fernsehantennen unterhalten mit Satelliten-Programmen auf Flachbildschirmen. In den Wohnraum gedrehte Fahrer- und Beifahrersessel machen die rollenden technischen Wunderwerke zu luxuriösen Ferienzimmern. Polierte Edelstahlschlösser verschiedener Anbieter mit zusätzlichen eisernen Verstrebungen in den Fensterluken verriegeln die rollenden Räumen zwar nicht wie einen Tresor aber zumindest wie eine Trutzburg in der Fremde. So genießt der Reisende  in der Fremde sorgloser die Reize von Land und Leuten.

Raum ist in der kleinsten Hütte, die fährt. Alle Tikros sind zwei Meter breit, zwischen 2,80 und 3,10 Meter hoch und zwischen 4,50 und 6,30 Meter lang. Wasser fließt aus zwei Zapfstellen warm und kalt in ein Handwaschbecken in der Toilette sowie in das Waschbecken der Küche neben dem zweiflammigen Kocher. Auch die Tetford-Cassetten-Toilette spült frisches Wasser. Kühlschrank wie Bier-, Wasser- und Weinvorräte versorgen die Reisenden preiswert mit Waren aus aller Welt, unter welchen sich unsere Esstische biegen und dank derer sich unsere Bäuche spannen. Glücklich ruhen Reisende im milden Mai auf den sonnigen Stellplätzen der Republik, zu denen zielgenau eine sanfte Stimme aus dem Navigationsgerät führt. Rentner machen mobil und wollen vor Krankheit, Demenz, Alten-, Pflegeheim und bestimmt noch vor der Palliativ-Station soviel Sonne und Schönes sehen und Gutes genießen wie möglich. Doch auch einige junge Leute haben schon genug Geld gesammelt, um einen Tikro zu kaufen. Sie senken das Durchschnittsalter der alternden Tikrosektierer zumindest ein wenig.



Angekommen Freitag abend 29.04:
Yacht-Club - Hannoversch Münden


Erste Nacht in Adlitz bei Klaus


Sonntag, 1. Mai - Mittagsschlaf im schattigen Waldweg - erschöpft auf dem Rückweg


Reiseproviant: Weinkauf in
Hammelburg, ältestes Weinstadt im Land


Gutes Motto für jeden im allgemeinen
und Reisende im besondern - in Hammelburg

Von zwei der gerade mal zwei, drei Jahre jungen Peugeot-Basislastkraftwagen müssen Fahrer von Motor- und Getriebeschäden berichten. Mann und Maschine leiden, wenn Werkstätten wichtige Maschinenteile wechseln, nachdem die Garantie abgelaufen ist. Der Weg allen Irdischen weist sich so wieder. Trotzdem: Treu zahlt der teure Kunde und zahlt. Er zahlt Maut, Steuern, zahlt mit Nerven. Doch nervlich hat sich wohl fast jeder der Freizeitkapitäne ein Berufs- und Beziehungsleben lang trainiert, bis er sich an das Steuer seines Tikros schwingen konnte. Denn immerhin hat er dafür Summen zwischen dreißig- und achtzigtausend Euros gespart, wofür eine „alte Frau lange stricken muss.“

Bevor der Tourist Freizeit- und Spielstätten wie Hannoversch Münden erreicht, teilen sich Berufsfahrer und Hobbypiloten die Autobahn. Profis hinter den Lenkrädern ihrer Zwanzigtonner leben gleichsam auf der Straße unter dem strengen Regelsystem aus Abgasvorschriften, Autobahngebühren und Ruhezeiten. Die Sonntagsruhe genießen diese Lohnfahrer eben so eng an den Autobahnparkplätzen, wie die Hobbypiloten ihre teure Weißware wie Kühlschränke in Verkaufsräumen dicht an dicht auf den Campingplätzen aneinander stapeln und Stoßstange an Stoßstange schlichten. Doch immerhin stört an Freizeitparkplätzen meist kein rollender Verkehr, weil die Warenversorgung in den Hauptschlagadern des industriellen Organismus pulsiert, bevor zentimetergenau die Lastenfahrer ihre mehrachsigen Gefährte rückwärts an Laderampen bugsieren. Dies sind die hart arbeitenden Kapitäne und Künstler der Landstraße.



Dies sind die hart arbeitenden Kapitäne und Künstler der Landstraße.
Die Schatz-, Spiel- und Sonnenorte touristischer Tändelei hingegen liegen meist abseits dieser fahrenden Fabriksysteme, dank deren die rollende Landstraße ihre bewegte Lagerhaltung just-in-time gnadenlos liefert. Wenn mir in Schneematsch und Nebel trotz Winterreifen schon 70 Stundenkilometer zu schnell waren, rasten einige Kamikaze-Fernfahrer mit rollenden Treibstoff geladenen Bomben noch auf der Überholspur vorbei.

Zurück in den Mai nach Hannoversch Münden: Die Stadt beispielsweise beschränkt sich auf ein Industriewerk, welches neben Schrot und Bleigeschossen wie für Luftgewehre auch noch Weihnachtsmänner wie Osterhasen aus Schokolade bunt in Stanniolpapier bekleidet. Der alte Weserhafen mit Eisenbahnzubringer von 1909, der Kalisalze und weiteres Schwergut abtransportierte, verfällt rostend zur Industrie-Ruine.

Nur die Fachwerkbauten in stattlicher Pracht haben sich seit dem Mittelalter gegen Unbill wie Feuer und Krieg behauptet. Baumeister wie Handwerker ließen diese Prachtbauten aus dem Holz der umgebenden Wälder in handwerklicher Kunst und kaufmännischem Handelsgeschick und vor Jahrhunderten entstehen. Staunende Steuerzahlen subventionieren und erhalten unser kulturelles Erbe im Land.

Wer nicht gleich in seinem fahrenden Wohnklo durch Spiel- und Schatzorte wie diese rollt, regeneriert sich wie im nahen Bad Karlsbad in gepflegten Wellness-Oasen vom Stress der Fahrt wie des Arbeitslebens. Andere finden vom noblen Edelhotel bis zur preiswerten Ferienwohnung ein Urlaubsdomizil. Dazu bemühen sich zahlreiche Fresstempel um das leibliche Wohl. Die kulinarische Hochkultur präsentiert sich - wie meist überall üblich – in der Nähe des Rathauses als Ratskeller. Andere Genussreisende wandern weiter wie zur Pizza des Italieners, dem Chinesen oder zu zahlreichen Döner-Buden, um sich die knurrenden Mägen zu füllen.


Hannoversch Münden:
Schatz-, Spiel- und Sonnenorte touristischer Tändelei



Die Fachwerkbauten haben sich seit dem Mittelalter behauptet.


Rathaus in Hannoversch Münden in Stil der Weser-Rennaissance

So bewirbt ein „Ritter der Rotwurst“ - mehrfach preisgekrönt - Tierkörperteile auf seinen verzierten Speisekarten, oder verkauft das rötlich-braun schimmernde Fleisch- und Wurstmaterial in Kühltheken. Gebratenes und Gekochtes  verzehrt der Wanderer in gepolsterten Sesseln unter den Sonnenschirmen der Fußgängerzonen, wann immer er will. Wer auf den Spuren mittelalterlicher Fachwerkhäuser stöbert, den stören in diesen verkehrsberuhigten Spielstraßen kaum Fahrzeuge, welche zurückhaltend über das antike Kopfsteinpflaster schleichen.

Die EXPO 2000 bereicherte Hannoversch Münden mit fünf Millionen Mark, was der Stadt fließende Wasserspiele in Rinnen, Abflüssen und Brunnen bescherte. So freut sich der Tourist selbst noch am Wasser über dem Pflaster. Alles fließt wie Zeit, Geld, Öl und Blut.

Mittlerweile stöhnt die Stadtverwaltung bei leerer Kasse wie leer stehenden Fachwerkhäusern unter den Folgekosten dieser spendierten Wasserspiele, deren Erhalt mit 75.000 Euro jährlich das Stadtsäckel plündert.

Doch da hierzulande der Reisende keine Devisen wie nach Mallorca verfliegt und dort verfeuert, geben Treffen wie das der Tikro-Fahrer, dem darbenden Spiel-Städtchen eine kleine Geldspritze. Hannoversch Münden schminkt sich mit seinen Jahrhunderte alten Fachwerkschönheiten. Die Stadt strahlt im Sonnenschein schick und zeitlos schön.

Die sonntägliche Ab- und Weiterfahrt sorgt dann wieder für Trubel auf der Straße, verbrennt Diesel - auch für den Steuertopf - und arbeitet das teure Tikro-Material auf für Wartungs- und Inspektionsintervalle. Denn auch am treuen, teuren Tikro nagt die erbarmungslose Zeit wie an allem.

In meinem Auto kochte beispielsweise die zweite Aufbau-Batterie. Das ist ein 26,5 Kilo schwerer 80 Ampere-Stunden schwerer Gel-Klotz. Im Internet gelang es mir in der Nähe von Frankfurt, in Gedern 230 Kilometer entfernt dieses Ersatzteil noch am Freitag abend für 205 Euro einzukaufen und einzubauen. Die 150 Kilometer auf dem Weg zurück Richtung Norden ersparte mir das Navi einen Autobahnstau. Es führte mich durch wunderschöne, blühende Landschaften um eine bislang mir unbekannte Gegend namens „Vogelsberg“. Die Straßen dritter Ordnung sind oft in erbarmungswürdigem Zustand. In Die Ortsdurchfahrten gebieten in zahllosen Zonen Schilder nur noch Tempo 30. Auf diesen elendigen Straßen rumpelt mein rollendes Haus mit gefülltem Kühlschrank, Bier- und Wasserkästen. Auf freier Strecke warnen Schilder mit „Wild vom Wald“, selbst bei einer kreuzenden Wildschweinrotte unverzagt Kurs zu halten.



Plakette der Tikro-Sektierer

Doch wenn sich dann die Tikro-Sektierer in gemeinsamem Glück einander mit Namenschilder auf geprägten Blech-Plaketten zu erkennen geben, tauschen die Menschen dieser Schicksalsgemeinschaft ihre Erfahrung aus. Dies wiegt viele Strapazen aus Besitz und Nutzen unserer Autos auf.

Wie nebenbei hat der Chronist noch den Weserstein bewundert, hat den Zusammenfluss aus Werra und Fulda bestaunt, deren Wasser die Weser gebären. Der Chronist hat die Tilly-Schanze bestiegen, welche Menschen schon seit 1892 völkisch-heimatliche Wohlgefühle schenkt, hat eine Bootsfahrt und viele, liebe, neue, nette Menschen kennengelernt. Wie kann das auch anders sein bei Gleichgesinnten, die noch eines von den 400 gebauten edlen Fahrzeugen aus der Seitz-Schmiede erstehen konnten?



"Ritter der Rotwurst"



Der Weserstein

  
Hannoversch Münden: Blick von der Tilly Schanze auf die Stadte und die Drehbrücke zur Insel Tanzwerder mit dem´Campingplatz


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