back 2 "enlightenment" (II)

16. Das Elend mit den Erleuchteten

Swami Kiran
Mukund Nagar, bei der MG-Road
Poona, Telefon 46 86 48

Das ist die Anschrift eines weiteren Erleuchteten, einem Inder. Er will wohl keinen mehr sehen, keinen dieser Meditation-Maschinen-Sannyasins.

Bruna erzählte von ihm. Sie war bei ihm mit etwa 20 Leuten. Die Verabschiedung kam einem Rausschmiss gleich. Irgndwann hätte Kiran von Krishnamurti erzählt.

Es gäbe einen ganz späten Satsang von ihm, kurz vor seinem Tod. Er muß da etwa 85 Jahre alt gewesen sein. Die Kassette sei noch erhältlich. Jedenfalls hätte der alte Mann fast den ganzen Satsang, etwa dreiviertel Stunde lang, ununterbrochen nur geweint.

Alle Anstrengung seines lehrenden Lebens sei wohl vergeblich gewesen, soll die Geschichte zum Ausdruck bringen.

Selber Geschichten zu schreiben, vertreibt die Zeit. Ob es zur Erkenntnis verhilft, wo schon die Weisen verzweifeln?

Da redet Bhagwan im Last Testament von seiner gewaltfreien, liebevollen Commune, derweil seine 12 Apostel Ma Anand Sheela, Ma Puja, Ma Shanti Bee und andere Ma-Konsorten schon ein faschistisch, kriminelles Regime hochzogen.

Alles Ja-Gesage steht unter dem Aspekt des "Surrenderns", der bedingungslosen Hingabe an den Meister nach dem Motto: Augen-Zu und Durch.

Hat Bhagwan nun vertrauensvoll zugesehen, machen, lachen und weinen lassen, selbst nichts gemerkt? Seine Reden klingen danach.

Als die armen Frauen dann ihren bitteren Knastgang antraten, klang Bhagwan anders. Ihm ist weder mit Handschellen noch in der Hölle Gefängnis sein Lächeln vergangen. Stunden von Videos in den Archiven der weltbeherrschenden Presseagenturen beweisen das.

Die Giftköchelei nahm epidemische Ausmaße an. Spektakuläre Berühmtheit erlangte der Giftanschlag auf Swami Amrito in der Buddha-Halle am Masters-Day 1985. Ma Vivek, Bhagwans Freundin, brachte sich mit Gift kurz vor Bhagwans Tod 1989 um. Zuvor hatte ihr Herr und Meister sie rausgeschmissen, dass sie endlich auf eigenen zwei Pfoten krabbeln lerne. Wer geht so mit seiner Geliebten um?

 
Bhagwan soll in seiner US-Gefängniszelle von hochstrahlendem, kaum nachzuweisendem Material zu frühem, schleichenden Tod gebracht worden sein. Die Sheela-Gang soll Gemüse im Nachbarstädtchen Antilope mit Salmonellen vergiftet haben. Im Bier auf der Ranch, was Glasweise abends auf Bezugsschein abzuholen war, soll Beruhigungsgift gewesen sein. So hätten die aufgenommenen Obdachlosen nachts besser schlafen können. Sheela soll Bhagwan Gift gegeben haben, damit er nicht wieder zu Reden anfinge. Sie fürchtete um ihre Macht. Und so weiter.

Um den alten Menschen von altem Gift zu befreien, scheint viel neues Gift nötig zu sein.

Bhagwan erzählt stundenlang von Vorgängern seiner Arbeit: Buddha, Bodhidharma, Sokrates, Jesus, Al Mansur, Mahavir, Zarathustra, Mohammed, Gurdjeff, Ramana, Kabir.

Je älter er wird, umso bissiger teilt er Kollegen-Schelte aus. Nur, wer heute Bhagwans Job in den USA anschaut, warum graust es den nicht? Die Sheela-Gang wurde anmaßender und gewalttätiger von Tag zu Tag. Was tat der Meister, merkte er nichts oder wollte er nichts bemerken? Was war mit Bhagwan los?

Diese gnadenlos Macht und Geld machende Kommune im Namen von Bhagwan und Liebe beutet die nach Sinn und Wahrheit Suchenden aus. Diese Beutelschneiderei ist Tradition fundamentalistischer Rajneeshes, aller Religionen.

Hšndler im vergitterten Kiosk (Lucknow 1993)

Wenn Dich "Penguine" in der Gruppe ihrer Jünger jetzt schon in den Ashram-Wegen anflöten:

 "Willst Du keine Session buchen?"


Und Du siehst sie unter ihrem Sonnenschirm mit ihren Info-Broschüren und dem prächtigen Plakat 

"Carniosacral"

Eistransport per Riksha-Fahrer

und lächelnd dankst Du:

"Yes, tomorrow!"

Nur kommt es darauf an, so die Ereignisse zu sehen, zu bewerten? Nichts bleibt notwendiger, als dass sich die Menschen im Sinne des Seins verändern, also mehr mit sich und der Natur in Einklang kommen.

Mein nächtliches Grübeln hat nur ein Ergebnis: Schlaflosigkeit. Schlaflosigkeit bringt Kopfweh. Was sollst Du machen, nachts in Poona ab 4.00 Uhr früh?

Ab 6.00 Uhr kannst Du Dich in die dynamische Meditation retten. Das Wunder wirkt: musstest ich mich zuvor mit quälenden Kopfweh bis zum Brechreiz abquälen, kann ich danach schon wieder Chai vertragen. Schlaf vor der Buddha-Halle zu den Worten der Lecture heilt Dich weiter für den Tag. Und nach dem Bad in Bashos Schwimmbad schmeckt dann wieder das Mittagessen.

Auch wenn Du nicht weißt, warum Dir der Ashram hilft. Eins ist Dir aus vielen ähnlichen Erfahrungen gewiss: es hilft Dir, im Ashram zu sein.

Hast Du erst mal Stunden in Bashos Pond gefroren, Dich von der Sonne aufheizen lassen, hast Du Dein Glück wieder ganz nah bei Dir.

Ob Du das bunte Leben vom indischen Straßencafe oder vom Ashram-Restaurant aus beobachtest, das bleibt sich dann gleich. Wenn Du keine innere Spannung aufbaust, fallen auch leichter Deine Wertungen.

 

Das Leben ist einfach. Es ist, wie es ist. Es ist Dir recht.

Wenn Dir der Asham auch den letzten Nerv zu rauben droht, bei Tyohar findest Du wieder tiefe Ruhe. Zum ersten Mal schenkt Dir eine Indien-Nacht neun Stunden Schlaf.

17. Reisen in Zeit und Traum